Koblenz-Pfaffendorf

Die „Schäl Seit“

Der Bäcker meines Vertrauens bietet diesen Monat (November 2015) als Spezialität „Schäl Seit“-Brot an.

Da stehe ich als Berlinerin erst einmal ratlos davor: „Schäl Seit“-Brot? Was soll das denn bitte sein?!
Ein Schäl-Brot? Ein Seiten-Brot? Ein „geschälte-Seiten-Brot“???

Die Erklärung der netten Mitarbeiterin, dass es sich dabei um ein Roggen-Dinkelbrot mit Apfelsaft von der „Schäl Seit“ handelt, hilft mir erstmal auch nicht wirklich weiter…

Was tut man in einem solchen Fall? Man fragt die „Eingeborenen“, diesmal in Form meines Nachbarn, eines Ur-Koblenzers.

„Die ‚Schäl-Seit'“ klärt er mich auf „ist die rechte Rheinseite von Koblenz. ‚Schäl‘ von ’scheel‘, also falsch und irgendwie verdächtig.“

Eine kurze Internet-Recherche ergibt: Dieser Ausdruck ist anscheinend typisch fürs Rheinland, wo man die jeweils andere Fluss-Seite und deren Bewohner abwertend je nach Dialekt als „scheel“ oder „schäl“ bezeichnet.

In Köln, Bonn und Neuss gibt es die „schäl Sick“, womit jeweils die Stadtteile der rechten Rheinseite gemeint sind. In Düsseldorf liegen hingegen die linksrheinischen Stadtteile auf der „schäl Sitt“. Im linksrheinischen Krefeld wiederum bezeichnet man die auf der rechten Rheinseite gelegenen Städte Duisburg und Düsseldorf als „schääle Sie“.

Und in Koblenz ist ebenfalls die rechte Rheinseite die „schäl (oder scheel) Seit“, vermutlich weil die Altstadt auf der linken Rheinseite liegt.

Über die Urspünge dieses Begriffes gibt es wie so oft verschiedene Theorien – bei den einen müssen die Römer und deren Christianisierung herhalten (auf der rechten Rheinseite lebten nicht-christianisierte Germanen, die den einäugigen, „scheelen“ Odin verehrten), bei den anderen sind es die angeblich beim Treideln von der Sonne geblendeten Pferde, die auf der dem Fluss zugewandten Seite Scheuklappen trugen und so das gegenüberliegende Ufer nicht sehen konnten.

Ich persönlich finde die Theorie am überzeugendsten, wonach der Begriff daher rührt, dass die jeweils so bezeichnete Rheinseite früher stärker von Hochwasser betroffen und deshalb dünner besiedelt und eher landwirtschaftlich geprägt war, woraus sich ein soziales Gefälle zu den Städtern auf der „richtigen“ Rheinseite ergab, die wiederum „scheel“ auf ihre ärmeren Nachbarn hinabblickten. Auch galten die außerhalb der Stadtmauern gelgenen Siedlungen als weniger sicher, wodurch sich die Stadtbewohner auf der richtigen, der sicheren Seite fühlten.

In Koblenz haben die rechtsrheinischen Stadtteile die Bezeichnung „schäl Seit“ inzwischen teilweise selbst für sich übernommen und verwenden sie mit einem gewissen Stolz. Die Pfaffendorfer Jecken nennen sich selbst „Schälsjer“, und das Koblenzer Streuobstwiesenprojekt auf der rechten Rheinseite heißt ebenfalls „Schäl Seit“.

Mit Unterstützung vom BUND, des Vereins Schönes Immendorf und des Klosters der Arenberger Dominikanerinnen wurde hier im Herbst 2000 der erste Apfelsaft mit eigenem Etikett („Schäl Seit“) gepresst. Auf den Streuobstwiesen werden jährlich mehrere Tonnen Äpfel gepflückt und zu Saft verarbeitet. Der Saisonschluss wird jedes Jahr mit einem großen Apfelfest gefeiert.

Und von diesem Projekt stammt nun also der Apfelsaft für das „Schäl Seit“-Brot…

Man lernt eben nie aus 🙂

Alter Obstbaum

Alter Obstbaum bei Arzheim

Advertisements
Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Frücht

Der jüdische Friedhof in Frücht

Das kleine Dorf Frücht liegt malerisch auf den Taunushöhen oberhalb der Lahn, etwa sieben Kilometer von Bad Ems entfernt. Nördlich liegt das Schweizertal bei Miellen, südlich das Erzbachtal mit Friedrichssegen. Frücht hatte 2012 etwa 650 Einwohner und gehört zur Verbandsgemeinde Bad Ems (Rhein-Lahn-Kreis).

Heute ist Frücht vor allem als Begräbnisort des preußischen „Reformministers“ Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831) bekannt, der hier 1807 vom Kölner Bildhauer Peter Joseph Imhoff für sich und seine Eltern eine Familiengruft errichten ließ. Seine älteste Tochter, Henriette Louise Gräfin von Giech, veranlasste 1836–1843 den Bau einer neugotischen Kapelle darüber, die der Münchner Architekt Joseph Daniel Ohlmüller entwarf.

Lahntal bei Frücht, Blick Richtung Lahnstein

Der Blick von Frücht über das Lahntal Richtung Rhein

 

Geschichte von Frücht

Frücht, 1159 erstmals als „Wruhte“ urkundlich erwähnt, gehörte bis 1613 zur Grafschaft Nassau. Dann wurde es an Johann Gottfried vom Stein zu Nassau (1560-1630) verkauft, womit Frücht zusammen mit Schweighausen zur reichsunmittelbaren Herrschaft vom Stein gehörte.

Die Familie vom Stein zu Nassau baute seit dem Mittelalter ein eigenes kleines Territorium auf und hatten bereits vor 1361 Landeshoheit über das Dorf Schweighausen. Durch Kaiser Friedrich III. wurde zur Zeit von Philipp vom Stein (+1476), Amtmann zu Nassau, das Geschlecht in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gehörten Güter in insgesamt 50 Orten zu der Herrschaft Stein zu Nassau. Der Besitz war so umfangreich, dass die Familie zu den bedeutendsten der rheinischen Reichsritterschaft gehörte.

Die Herrschaft Stein zu Nassau war reichsunmittelbar, unterstand also keiner anderen Herrschaft sondern war direkt und unmittelbar dem Kaiser untergeben und bildete so gewissermaßen einen eigenen Zwergstaat innerhalb des sog. „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“.

Nach dem sog. „Reichsdeputationshauptschluss“, einem 1803 erlassenen Gesetz zur Entschädigung derjenigen Fürsten, die durch die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich nach der Niederlage im Zuge der Napoleonischen Kriege Besitz verloren hatten, wurden kirchliche Besitzungen säkularisiert (verstaatlicht) und kleinere weltliche Herrschaften mediatisiert, also einem Landesherren unterstellt.

Im Zuge der Mediatisierung wurde die Herrschaft vom Stein 1806 an das Herzogtum Nassau angeschlossen, dem sie bis 1866 angehörte. Frücht wurde dabei dem Amt Braubach zugeordnet. Somit war der Reichsfreiherr vom und zum Stein künftig dem Herzog von Nassau unterstellt, was zu permanenten Konflikten führte. So wurden im Januar 1809 auf einen französischen Armeebefehl hin die Güter vom Steins in Nassau durch die nassauischen Behörden beschlagnahmt, da dieser ein Feind Frankreichs und des Rheinbundes sei. 1813 wurde die Beschlagnahmung nach der Völkerschlacht bei Leipzig wieder aufgehoben und vom Stein erhielt umfassende Entschädigungen für die Aufgabe seiner hoheitlichen Rechte.

Mit dem Tod von Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein am 29.6.1831 starb das Geschlecht der Herren vom Stein aus. Erbin der privaten Besitzungen in der ehemaligen Herrschaft wurde seine Tochter Henriette Louise Gräfin von Giech.

Nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel Nassau und damit das Gebiet der ehemaligen Herrschaft vom Stein an Preußen. 1868 wurde Nassau im Königreich Preußen mit der Freien Stadt Frankfurt und dem Kurfürstentum Hessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst.

Der größte Teil der Provinz Hessen-Nassau wurde 1945 Teil der amerikanischen Besatzungszone. Der westliche Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden fiel jedoch an die französische Besatzungszone; auch Frücht lag nun in der französischen Besatzungszone.

Die französische Besatzungsmacht vereinigte 1946 den nördlichen Teil ihres Gebiets, darunter die genannten nassauischen Landkreise, zum Land Rheinland-Pfalz.

Frücht

Impression aus Frücht

 

Juden in Frücht

Juden waren in Frücht mindestens seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ansässig. 1679 wurden jüdische Einwohner in Frücht genannt; 1694 wurde das alte Isaaks-Haus in einem Dokument als „Judenhaus“ bezeichnet.

Um 1800 gab es drei jüdische Familienoberhäupter am Ort: Herz, Moses Samuel und Isaak. Alle Familien betrieben Viehhandel. Später kam noch eine Familie hinzu, die Spezereien (Gewürze und Delikatessen) und Branntwein verkaufte.

1813 wurde im sogenannten „Judenwald“ südlich von Frücht ein jüdischer Friedhof angelegt. Möglicherweise bestand der Friedhof jedoch bereits vorher und wurde 1813 erst eingefriedet.

1826 gab es in Frücht 26 jüdische Einwohner.

Um 1840 gab es an jüdischen Einrichtungen in Frücht einen Betsaal, der in einem Privathaus untergebracht war, (vermutlich) ein Ritualbad und den jüdischen Friedhof.

1841 wurden jüdische Familien gesetzlich verpflichtet, einen Familiennamen zu wählen. Die in Frücht ansässigen Juden wählten folgende Namen:

  • Die Witwe des Isaak Samuel: Morgenthal,
  • Samuel Isaak: Morgenthal,
  • Josef Samuel: Roos,
  • der Sohn dieses Samuel: Blum,
  • Moses Samuel: Rosenberg,
  • die Witwe des Löw Isaak: Strauß [Strauhs],
  • Israel Löw: Strauß [Strauhs],
  • die Kinder von Sprinz und Heskia: Hofnung
Jüdischer Friedhof Frücht - Grabstein des Semel Straus

Grabstein des Semel Strauhs (1824-18??) auf dem jüdischen Friedhof in Frücht

1843 gab es in Frücht 31, 1847 noch 26  jüdische Einwohner (= 10,5 % von insgesamt 248 Einwohnern).

1844 war Frücht Hauptort des aus Frücht, Nievern, Fachbach und Braubach bestehenden Synagogenbezirks. Es gab allerdings in Frücht keine eigene Synagoge, der Betsaal der Gemeinde befand sich vielmehr im Obergeschoss des Wohn- und Geschäftshauses der Familie Roos in der Emser Straße 8.

1852 wurde Nievern der Hauptort des Synagogenbezirks, so dass die Früchter Juden jetzt zur Gemeinde in Nievern gehörten. Dort gab es auch eine jüdische Religionsschule.

Auch Nievern verfügte über keine separate Synagoge, hier befand sich der Betraum im Obergeschoss des Hauses von Metzger Julius Mainzer in der Bahnhofstraße 25: „In Parterre befand sich links der kleine Metzgereiladen von Julius Mainzer und rechts die Küche. (…) An der linken Wand im Laden war die Treppe zum Synagogenraum. (…) war ein kleines, meist dunkles Zimmerchen von etwa 4 mal 6 Metern Größe. An der Ostseite stand ein langer Tisch, auf dem sich erhöht der Toraschrein befand, mit lila Tüchern feierlich umhüllt. Überhaupt war lila die vorherrschende Farbe im Raum. Auch die Gebetskäppchen der Männer in der Synagoge waren so gefärbt. (…)” (Quelle: Klaus-Dieter Alicke, Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m-o/1459-nievern-rheinland-pfalz; zitiert nach: Elmar Ries, Aus der jüdischen Geschichte von Nievern, S. 17).
Der Betsaal in Frücht wird ähnlich ausgesehen haben.

Als Filialgemeinde von Nievern durften in Frücht am Sabbat auch weiterhin Gottesdienste im Betsaal abgehalten werden, zumindest so lange, wie ein Minjan (zehn oder mehr religiös mündige Juden) zustande kam; später suchten die wenigen noch in Frücht verbliebenen Juden den Betsaal in Nievern auf.

1892 ging das Geschäft der Familie Roos in Konkurs; der früher im Haus befindliche Betsaal war zu dieser Zeit jedoch bereits  nicht mehr in Benutzung, da die jüdische Gemeinde in Frücht zu klein geworden war.

Lahntal bei Frücht - Blick Richtung Nievern

Der Blick vom sog. „Judenwald“ Richtung Nievern

1905 gab es in Frücht nur noch 12 jüdische Einwohner.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg waren die meisten jüdischen Einwohner vom Ort verzogen, danach lebte nur noch die Familie von Moses Roos am Ort. 1929 verließ schließlich der letzte jüdische Einwohner Frücht.

Von den in Frücht geborenen Juden sind in der NS-Zeit umgekommen:

Sofie Ermann geb. Roos – geboren am 3.7.1880 in Frücht als Tochter von Moses Roos und Karoline Grünenbaum, später wohnhaft in Veldenz (Mosel). Sofie Ermann wird am 16.10.1941 von Luxemburg bzw. Trier gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Handelsmann August Ermann (* 10.8.1880 in Veldenz) und dem Sohn Ernst Leopold Ermann (* 20.5.1920 in Veldenz) ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Insgesamt werden mit diesem Transport 331 Juden aus Luxemburg und 178 Juden aus Trier deportiert. Ort und Datum des Todes sind unbekannt. Sofie, August und Ernst Leopold Ermann werden nach dem Krieg mit Wirkung zum 8.5.1945 vom Amtsgericht Bernkastel-Kues für tot erklärt.

Adolf Aron Strauß – geboren am 31.5.1874 in Frücht, später wohnhaft in Frankfurt am Main. Adolf Aron Strauß wird am 15.9.1942 mit 1.370 anderen Menschen mit Transport XII/3 von Frankfurt am Main ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 28.10.1944 wird er mit 2.029 anderen Menschen mit Transport EV von dort ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sein genauer Todestag ist unbekannt.

 

Der jüdische Friedhof in Frücht

Lage:
südöstlich von Frücht im sogenannten „Judenwald“
Belegung:
1813 (evtl. früher) bis 1901
Größe:
1,5 Ar (= 150 qm)
Umfriedung:
Maschendrahtzaun; das beschädigte Holztor wurde zwischen 2006 und 2013 ersetzt
Erhaltene Gräber/Grabsteine:
Sechs Grabsteine, davon zwei zerbrochen
Wegbeschreibung:
An der Straße von Frücht nach Becheln/ Dachsenhausen befindet sich oberhalb der evangelischen Kirche auf der rechten Straßenseite eine kleine Anlage mit Schutzhütte (Station des Freiherr-vom-Stein-Pfades). Man folgt nicht dem Weg, der hinter der Schutzhütte geradeaus Richtung Wald führt, sondern dem Weg, der links von der Hütte nach halblinks wegführt. Nach ca. 100m geht rechts ein Feldweg ab, der am Wiesenrand entlang und an einer Bank vorbeiführt. Vor der Bank gelangt man über einige Steinstufen nach oben zu dem kleinen eingezäunten Friedhof.
Stand:
August 2015
Karte:

 

Bilder:

Weg zum jüdischen Friedhof in Frücht

Ein Feldweg führt zum oberhalb des Ortes gelegenen jüdischen Friedhof. Hier muss man auf den Fußweg rechts abbiegen…

 

Zugang zum jüdischen Friedhof in Frücht

…am Rand der Wiese steht eine Bank. Links davon befindet sich im Gebüsch versteckt die kleine Treppe, die zum jüdischen Friedhof führt.

 

Zugang zum jüdischen Friedhof in Frücht

Einige Steinstufen führen zum Friedhofsareal

 

Jüdischer Friedhof in Frücht

Jüdischer Friedhof in Frücht – nur wenige Grabsteine sind erhalten

 

Jüdischer Friedhof in Frücht

Alle sechs erhaltenen Grabsteine auf einen Blick

 

Jüdischer Friedhof in Frücht

Die Inschriften sind noch einigermaßen gut zu erkennen

 

Grabstein des Semel Strauhs auf dem jüdischen Friedhof in Frücht

Grabstein des Semel Strauhs, geb. 2?. Mai 1824, gest. 15. April 18?? [1891?]

 

Jüdischer Friedhof in Frücht - Grabstein mit hebräischer Inschrift

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren die Inschriften auf jüdischen Grabsteinen ausschließlich hebräisch

 

Zerbrochener Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Frücht

Zerbrochener Grabstein von Fanni Roos

 

Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Frücht

Beim Besuch eines Grabes ist es üblich, einen kleinen Stein zu hinterlassen als Zeichen, dass der Verstorbene nicht vergessen ist

 

Lahntal bei Frücht

Vom Waldrand geht der Blick über Frücht hinweg ins Lahntal

 

Quellen:

Anmerkung: alle Internetseiten abgerufen am 8. und 9.8.2015

Bildnachweis

Alle Fotos in Frücht stammen von onnola und stehen teils (bilder von Frücht und Landschaftsaufnahmen) unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0) (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/), teils (Bilder des jüdischen Friedhofs) unter der Lizenz Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0) (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/).
Anklicken des jeweiligen Fotos öffnet die dazugehörige Bildseite auf Flickr.
Beim einzelnen Bild finden Sie dort nähere Hinweise zur jeweils gültigen Lizenz.

Familiengrab Lessing, Oberlahnstein

Das Grabmal Familie Lessing in Lahnstein

Der Alte Friedhof in Oberlahnstein ist kein Ort der Ruhe mehr. Über den wenigen erhaltenen Gräbern und den Gefallenendenkmälern tost der Verkehr auf der B42, die Anlage selbst wirkt vergessen.

Unterhalb der auf Pfeilern ruhenden Bundesstraße fällt der Blick auf ein prächtiges altes Grabmal – am Hang gelegen und von Wildwuchs umgeben wirkt es hier so deplatziert wie es eben möglich ist: Das historische Grabmal der Familie Lessing.

Alter Friedhof in Oberlahnstein, Gräber unterhalb der Trasse der B42

Der Alte Friedhof in Oberlahnstein – Ziemlich versteckt liegt hinten links das Lessing-Grab unterhalb der B42

 

Schon von weitem fällt einem das beeindruckend große Grabmal aus rotem Granit auf. Beim Näherkommen erkennt man Details der Dekoration: Blumen und Schmetterlinge aus Mosaiksteinen, in den Stein geschliffene Ornamente, kunstvoll verzierte Bronzetafeln, ein niedriges schmiedeeisernes Gitter mit wuchtigen Steinpfeilern.

Familiengrab Lessing, Alter Friedhof, Lahnstein

Das Familiengrab Lessing in Oberlahnstein

 

Das Grabmal wurde irgendwann zwischen 1904 und 1915 über der Gruft der Familie Lessing errichtet und entspricht dem Geschmack der Zeit: ein monumentales Bauwerk im Stil des Historismus mit Jugendstil-Elementen. Ehrfurchtgebietend thront es da am Hang und schaut über das Gelände des Alten Friedhofs und die Dächer von Lahnstein hinab Richtung Rhein.

Zwei Bronzetafeln weisen auf die hier Ruhenden hin, links die Frauen, rechts die Männer:

Lydia Lessing, geb. de Cuyper (15.4.1848 – 5.2.1904)
Anneliese Lessing, geb. Sack (9.5.1896 – 25.9.1969)

Familiengrab Lessing, Lahnstein - Bronzetafel für Lydia Lessing (geb. de Cuyper, 15.4.1848-5.2.1904) und Anneliese Lessing (geb. Sack, 9.5.1896-25.9.1969)

Bronzetafel für Lydia Lessing (geb. de Cuyper) und Anneliese Lessing (geb. Sack)

 

Anton Lessing (21.5.1840 – 3.4.1915)
Dr. Walter Lessing (21.5.1881 – 1.3.1967)

Familiengrab Lessing, Lahnstein - Bronzetafel für Anton Lessing (21.5.1840 – 3.4.1915) und Dr. Walter Lessing (21.5.1881 – 1.3.1967)

Bronzetafel für Anton Lessing und Dr. Walter Lessing

 

Der Lahnsteiner Ehrenbürger Dr. Walter Lessing dürfte durch die nach ihm benannte Straße den meisten Lahnsteinern zumindest dem Namen nach geläufig sein. Aber welcher Autofahrer, der oben über die B42 braust, ahnt, dass hier unterhalb der Trasse der Urgroßvater von Gregor Gysi und der Großvater des Ehemanns der Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing begraben liegt?

Es lohnt sich also, die Geschichte dieser Familie näher zu betrachten:

 

Anton Lessing (1840-1915) und Lydia de Cuyper (1848-1904)

Anton Lessing wurde am 21. Mai 1840 als zweites von sechs Kindern des Maurermeisters, Hopfenhändlers und späteren Ziegeleibesitzers Samuel Lessing (1808-1887) und seiner Frau Rosetta, geb. Fröhlich (1810-1882) in Mühlhausen bei Bamberg geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Mühlhausen absolvierte er eine Kaufmannslehre in Ansbach und verdiente sich anschließend als kaufmännischer Angestellter („Handelscommis“) in Bamberg das Geld für eine Reise nach Russland, die er 1859 im Alter von 19 Jahren unternahm.

Sein Erfahrungsbericht von dieser Reise, den er an einen Freund und Cousin in Birmingham in England sandte, verschaffte ihm eine Stellung als Handelsvertreter in Russland für dessen Export-Firma Lindner & Co.

In St. Petersburg lernte er den Inhaber und Herausgeber des angesehenen „Journal de Saint Petersbourg“ Jean Baptiste Victor Cappelmans kennen und verfasste Artikel zu Wirtschafts- und Zollfragen für dieses Blatt.

1864 ließ er sich in St. Petersburg und später in Moskau nieder und gründete gemeinsam mit den Brüdern Gustav und Amand Struve eine Maschinenfabrik für Lokomotiv-, Brücken- und Schiffbau in Kolomna an der Moskwa und 1871 die Tschulkovo-Gesellschaft für Steinkohlegewinnung. Die drei wurden damit zu wichtigen Wegbereitern der Industrialisierung Russlands.

Russische Dampflokomotive der Baureihe T (Typ 132), hergestellt bis 1915 von den Kolomna-Werken

Russische Dampflokomotive der Baureihe T (Typ 132), hergestellt bis 1915 von den Kolomna-Werken
Quelle: Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Russian_loc_T_series_type_132.jpg), Lizenz: gemeinfrei (http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit)

 

Nach dem Tod Cappelmans‘ in St. Petersburg heiratete Lessing 1872 in Frankfurt am Main dessen Witwe, die Belgierin Lydia de Cuyper. Als Wohnsitz für seine Familie erwarb er im selben Jahr eine Villa in Oberlahnstein („Villa Lessing“).

Lydia de Cuyper war am 15.4.1848 als Tochter des Professors Antoine de Cuyper und seiner Frau Francisca (geb. Saporta) in Lüttich geboren worden. Mit Anton Lessing hatte sie 5 Söhne und 4 Töchter, dazu eine Tochter aus ihrer ersten Ehe mit Jean Baptiste Cappelmans. Die Familie pendelte zunächst alle paar Monate zwischen Oberlahnstein, Lüttich, Brüssel und Moskau, ließ sich zu Beginn der 1880er Jahre aber dauerhaft in Oberlahnstein nieder.

Einfassung mit Steinsäulen und schmiedeeisernem Gitter am Familiengrab Lessing in Lahnstein

Familiengrab Lessing, Alter Friedhof, Oberlahnstein – Detail der Einfassung

 

1881 gründeten Lessing und die Struves in Russland die Sosva-Eisengusswerke, und übernahmen 1885 zur Sicherung des Rohstoffbedarfs die Wyksaer Hüttenwerke bei Nischnij Nowgorod. Im dazugehörigen Hütten- und Walzwerk Nischnisawod wurden vor allem Bleche und Rohre produziert.
1906 fusionierte Lessings Unternehmen mit den Ssoromow-Werken bei Nischnij Nowgorod. Insgesamt wurden in diesen Werken etwa 40.000 Menschen beschäftigt.

In Oberlahnstein stand die Familie Lessing im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und Anton trat immer wieder als Wohltäter hervor. So schenkte er anlässlich seiner Silberhochzeit 1897 der Stadt 5.000 Mark, die an den evangelischen und katholischen Gesellenverein sowie an arme Bürger ausgezahlt wurden. 1907 erhielt Oberlahnstein 1.500 Mark für den Baufonds des (Bodewig-)Museums. Zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1910 schenkte Lessing der Stadt die Forstmühle bei Braubach samt den auf Oberlahnsteiner Gebiet liegenden Grundstücken.

1904 starb seine Frau Lydia im Alter von 55 Jahren in Oberlahnstein und wurde auf dem Alten Friedhof begraben.

Mosaik mit Schmetterlingen am Familiengrab Lessing, Lahnstein

Familiengrab Lessing, Alter Friedhof, Oberlahnstein – Detail der Mosaikornamente: Schmetterlinge und Puppen als Symbol für Transformation und Auferstehung

 

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) war Lessing mehr und mehr davon überzeugt, dass sich die deutsch-russischen Beziehungen in Zukunft verschlechtern könnten und sorgte sich um die Erschließung europäischer Ölreserven, unabhängig von Russland. Er verkaufte Anteile seines russischen Unternehmens und beteiligte sich 1911 an der Erdölgewinnung in Galizien (Österreich), für die er die „Flüssige Brennstoff GmbH“ in Berlin gründete.

Anton Lessing zog sich mehr und mehr aus dem Geschäft zurück und legte 1913 die Leitung seiner russischen Werke aus Altersgründen endgültig nieder. Er starb am 3.4.1915 im Alter von 74 Jahren in Oberlahnstein an einem Schlaganfall.

Lessing hatte große Bedeutung für den russischen Eisenbahnbau, wirkte wiederholt für einen deutsch-russischen Zollausgleich und war wirtschaftspolitischer Berater der deutschen Botschaft in St. Petersburg. Er wurde zum preußischen und russischen Kommerzienrat ernannt, war Ehrenbürger von Mühlhausen und Oberlahnstein und erhielt sowohl russische wie preußische Auszeichnungen und Ehrungen.

In seinem Testament vermachte Anton Lessing der Stadt Oberlahnstein je 10.000 Mark als Zuschuss zum Ausbau des Oberförtserweges und für den Bau des (Bodewig-)Museums sowie 5.000 Mark, von denen jährlich 200 Mark an Weihnachten unter den Armen verteilt werden sollten. Da die Stadt das Geld in Kriegsanleihen anlegte, sind die Spenden bis auf das Geld für den Museumsbau verfallen.

Moosbewachsenes Kreuz auf dem Familiengrab Lessing in Oberlahnstein

Moosbewachsenes Kreuz auf dem Familiengrab Lessing in Oberlahnstein

 

Anton Lessings Geschäfte in Russland wurden seit Beginn des Jahrhunderts durch seinen Sohn Gottfried (1877-1950) fortgeführt. Infolge des 1. Weltkriegs und der Russischen Revolution fand das wirtschaftliche Engagement der Familie Lessing in Russland ein jähes Ende.

 

Gottfried Lessing (1877-1950) und Tatjana von Schwanebach (1878-1960)

Der Hütteningenieur Gottfried Lessing (1877-1950) wurde mit seiner Ehefrau Tatjana von Schwanebach (1878-1960) und den beiden Kindern Irene und Gottfried beim Ausbruch des 1. Weltkrieges aus Russland ausgewiesen und zog mit seiner Familie nach Berlin, wo er 1924/1925 die Villa Lessing am Schlachtensee errichten ließ.

Gottfrieds Tochter Irene Olga Lydia Lessing (1912-2007) heiratete 1945 Klaus Gysi (1912-1999), den späteren Leiter des Aufbau Verlags, Kulturminister, Botschafter und schließlich Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR. 1946 wurde ihre Tochter Gabriele Gysi geboren, die  Schauspielerin und Regisseurin werden sollte; 1948 kam ihr Sohn zur Welt, der spätere Rechtsanwalt und Politiker Gregor Gysi. Irene war Abteilungsleiterin im Ministerium für Kultur der DDR.

Gottfrieds Sohn Gottfried Anton Nicolai Lessing (1914-1979) wurde Jurist und heiratete 1945 in Rhodesien (heute Simbabwe) die Schriftstellerin Doris May Wisdom (geb. Tayler). Sie nannte sich fortan Doris Lessing und erhielt im Jahr 2007 den Nobelpreis für Literatur. Das Paar trennte sich, als er Ende 1950 beschloss, in die DDR zu gehen. Er heiratete erneut und wurde schließlich Mitarbeiter im auswärtigen Dienst der DDR, u.a. als Generalkonsul in Tansania und Botschafter in Ruanda und Uganda, wo er 1979 bei einem Anschlag getötet wurde.

Bronzetafel mit Inschrift

Familiengrab Lessing, Alter Friedhof, Oberlahnstein – Bronzetafel mit Inschrift „Ruhestätte der Familie Lessing“

 

Dr. Walter Lessing (1881-1967) und Anneliese Sack (1896-1969)

Walter Lessing (1881-1967) wurde am 21.5.1881 als 7. Kind von Anton Lessing und Lydia de Cuyper in Oberlahnstein geboren. Er machte in Koblenz Abitur und studierte Jura in Leipzig und Heidelberg. 1904 wurde er dort Dr. jur. und ging aus eigenem Interesse nach Russland, wo er bei verschiedenen Unternehmen tätig war, u.a. in den Unternehmen seines Vaters und seines Onkels Adolf Lessing sowie in der landwirtschaftlichen Maschinenbauindustrie. Seine Arbeit führte ihn auch nach Sibirien und in den Kaukasus, nach Baku und Tiflis.

Walter Lessing konnte Russland unmittelbar vor Ausbruch des 1. Weltkriegs verlassen und kehrte nach Oberlahnstein zurück. Als Ordonnanzoffizier einberufen, kämpfte er in Frankreich und kehrte nur 1915 kurz zum Begräbnis seines Vaters nach Oberlahnstein zurück. Anfang 1917 wurde er Verbindungsoffizier in Bulgarien

Nach dem deutsch-russischen Waffenstillstand 1918 wurde er als Bevollmächtigter des Kriegsministeriums nach Moskau beordert, wo er knapp einem Anschlag auf sein Leben entkam. Er ging daraufhin nach Berlin, arbeitete im Kriegsministerium und war Mitbegründer des Bundes der Auslandsdeutschen.

Anfang 1919 heiratete er in Leipzig Anneliese Sack, die Tochter eines früheren Geschäftspartners, die er 1913 kennengelernt hatte.
Der älteste Sohn Paul-Anton wurde 1921 in Berlin geboren. Im November 1922 zog die Familie wieder nach Oberlahnstein.

Mosaikornamente am Familiengrab Lessing in Lahnstein

Familiengrab Lessing, Alter Friedhof, Oberlahnstein – Detail: Blütenförmige Mosaikornamente

Hier übernahm Walter Lessing die Leitung des Oberlahnsteiner Werkes der Firma Gauhe, Gockel & Cie, einer Fabrik für Hebevorrichtungen, Baumaschinen und Baugeräte mit eigener Eisengießerei. Diese Firma verkaufte er 1938.

1949 gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau Anneliese den Kreisverbad Rhein-Lahn der Europa-Union Deutschland, eine 1946 gegründete überparteiliche, überkonfessionelle und unabhängige politische Nichtregierungsorganisation für ein föderalistisches Europa.
Als Stadtrat setzte sich Walter Lessing fortan für den kommunalen Wiederaufbau ein, besonders für die Erhaltung des Gymnasiums.

1961 ernannte die Stadt den Kommunalpolitiker und Förderer des kulturellen Lebens zum Ehrenbürger.
Nach ihm wurde die Dr.-Walter-Lessing-Straße benannt.

Anneliese Lessing (geb. Sack) schrieb zahlreiche Theaterstücke, darunter das Heimatstück „Schulmeister von Lahnstein“ (1931 als Freilichttheater auf dem Salhofplatz aufgeführt) und der 1965 aufgeführte Schwank „Alt-Lahnstein am Hexenturm“.

Familiengrab Lessing auf dem Alten Friedhof in Oberlahnstein

Familiengrab Lessing auf dem Alten Friedhof in Oberlahnstein

 

Kleiner Stammbaum der Familie Lessing

Ausführliche Informationen zur Genealogie der Familie finden sich im Archiv der Sammlung Fred W. Lessing im Leo Baeck Institut.

  1. David Lessing (* ca. 1720-1730)

    1. Baruch David Lessing (* ca. 1760 + 26.2.1838)
      oo Esther (+ 11.5.1862)

      1. David Lessing (* 1808 – 1837 in die USA emigriert)
      2. Samuel Lessing (* 1811)
      3. Sali Lessing (* 1814 – 1837 in die USA emigriert)
      4. Sara Lessing (* 1817)
      5. Nanna Lessing (* 19.2.1819 – vor 1841 in die USA emigriert)
      6. Loewe („Levi“) Lessing (* 10.11.1821 – 1840 in die USA emigriert)
      7. Mergeles Lessing (* 23.1.1825)
    2. Moses Samuel Lessing (* ca. 1762 + 7.10.1809)
      oo Masche (+ 3.3.1854)

      1. Besla Lessing (* 1805)
      2. Ester Lessing (* 1807)
      3. Samuel Moses Lessing (* 17.11.1808 Mühlhausen (Mittelfranken) + 23.6.1887 Bamberg)
        oo 25.4.1838 Ruchma/ Roehma/ Rosette Fröhlich (* 9.10.1810 + 10.1.1882)

        1. Mayer Lessing (* 3.2.1839 Mühlhausen (Mittelfranken) + 1840)
        2. Aron („Anton“) Lessing (* 21.5.1840 Mühlhausen (Mittelfranken) + 3.4.1915 Oberlahnstein)
          oo 3.9.1871 Lydia Marie Françoise de Cuyper (* 15.4.1848 Liège + 5.2.1904 Oberlahnstein), verwitwete Cappelmans

          1. Annoulla Cappelmans Lessing (Tochter aus der ersten Ehe von Lydia de Cuyper) (* 19.11.1869 + 1.4.1946)
            oo Hans Graeff (* 9.10.1858 + 6.4.1936)

            • 2 Kinder
          2. Karl Lessing (* 1872 + 1874)
          3. Louise Lessing (* 19.6.1873 + 1942)
            oo NN von Wachmeister
          4. Friedrich Karl Anton Lessing (* 21.8.1876 + 26.6.1959)
            oo Adele Alff

            • 4 Kinder
          5. Gottfried Lessing (* 23.11.1877 + 23.3.1950)
            oo Tatjana von Schwanebach (* 21.1.1878 + 1960)

            1. Irene Olga Lydia Lessing (* 10.3.1912 St. Petersburg + 6.5.2007 Berlin)
              oo 1945 Klaus Gysi (* 3.3.1912 Berlin + 6.3.1999 Berlin)

              1. Gabriele Gysi (* 13.7.1946 Berlin)
              2. Gregor Gysi (* 16.1.1948 Berlin)
            2. Gottfried Anton Nicolai Lessing (* 14.12.1914 St. Petersburg + 11.4.1979 Kampala)
              oo 1945 Doris May Tayler (* 22.10.1919 Kermnschah + 17.11.2013 London)

              1. Peter Lessing (* 1947 + 2013)
          6. Helene („Nellie“) Lessing
            oo Hjalmer von Moerner

            • 1 Kind
          7. Ida Lessing (* 15.3.1880 + 28.12.1963)
            oo 1924 Freiherr von Schaezler
          8. Walter Lessing (* 21.5.1881 Oberlahnstein + 21.3.1967)
            oo 1919 Anneliese Sack (* 9.5.1896 + 26.9.1969)

            • 3 Kinder
          9. Emma Lessing
            oo Hanns von Moerner

            • 3 Kinder
          10. Ernst Lessing
            oo Sofia Bouse
            oo Leni Bormenhagel
        3. Benjamin („Benno“) Lessing (* 4.1.1842 Mühlhausen (Mittelfranken) + 31.1.1817 Bamberg)
          oo 1873 Adele Obermeyer (* 23.6.1851 + 21.9.1932)

          1. Anton Lessing (* 25.5.1874 + 6.9.1944)
            oo 1905 Luise Macholl
          2. Otto Lessing (* 12.5.1875 + 1942)
            oo Nelly Ehrlich (* 25.10.1886 + 1942)

            • 2 Kinder
          3. Olga Lessing (* 24.1.1878)
            oo Willy Tuchmann (* 21.5.1872 + 20.3.1927)

            • 1 Kind
          4. Hans Bruno Lessing (* 20.6.1879 + 5.9.1954)
            oo Lilly Rosenfeld (* 25.3.1892 + 3.5.1954)

            • 2 Kinder
          5. Franz Lessing (* 11.8.1881)
        4. Simon Lessing (* 20.12.1843 Mühlhausen (Mittelfranken) + 27.10.1903)
          oo 1871 Johanna Strauss (* 20.4.1852 Bamberg + 30.6.1874 Bamberg)
          oo 1877 Clara Strauss (* 24.12.1858 Bamberg + 24.3.1938 Bamberg)

          1. Meta Lessing (* 1.3.1873)
            oo Oskar Stein (* 12.9.1862 + 12.6.1898)
            oo NN Bally

            • 2 Kinder mit Oskar Stein
          2. Johanna Lessing (* 11.6.1874 + 25.11.1950)
            oo 1895 Louis Bendit (* 24.3.1862 + 1958)
          3. Rudolph Lessing (* 3.4.1878 + 2.9.1964)
            oo 1912 Milly Fuld (* 28.6.1891)

            • 1 Kind
          4. Wilhelm Heinrich Lessing (* 19.1.1881 + 17.1.1939)
            oo 1909 Paula Ehrlich (* 28.12.1888 + 20.6.1944)

            • 1 Kind
        5. Adolf Lessing (* 5.8.1851 Mühlhausen (Mittelfranken) + 2.2.1897)
          oo 1883 Augusta Strauss (* 22.5.1860 + London)

          1. Florence Lessing (* 5.11.1888)
          2. Edward („Teddy“) Lessing (* 28.5.1890)
        6. Max Lessing (* 8.6.1853 Mühlhausen (Mittelfranken) + 21.9.1932)
    3. Meyer David Lessing (* 1763 + 13.4.1834)
      oo 1818 Witwe seines Bruders: Masche (+ 3.3.1854)

Update 1.12.2015

Es wurden einige Korrekturen am Text durchgeführt und Quellenangaben aktualisiert.

Vielen Dank an dieser Stelle für die Hinweise!

 

Quellen

Anmerkung: alle URLs wurden, sofern nicht anders angegeben, im März 2015 abgerufen

Bildnachweis

Alle Fotos des Familiengrabes Lessing stammen von onnola und stehen unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0) (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/).
Anklicken des jeweiligen Fotos öffnet die dazugehörige Bildseite auf Flickr.

 

 

Koblenz Graffiti

Eine Berlinerin in Koblenz

Der durchschnittliche Koblenzer hat mit Berlinern kein Problem. Berlin ist weit weg und eigentlich nur ein Synonym für schlechte Politik (egal, wer regiert). Anders als der Münchner oder der Hamburger hat der Koblenzer keine genetisch verankerte Abneigung gegen Berlin und seine Einwohner.

Aber auch keine Ehrfurcht. Dem Koblenzer ist Berlin egal. Er sitzt gemütlich in traumhafter Landschaft, im UNESCO-Kulturerbe Mittelrheintal, umgeben von Weinbergen – was interessiert ihn Berlin?

Als Berlinerin ist das ganz entspannend, nicht dauernd mit großen Keksaugen betrachtet und mit neiderfüllter Stimme ausgefragt zu werden, welche Clubs denn gerade angesagt sind, wie man es denn anstellt, in Berlin eine Wohnung zu finden und ob ich nicht einen Job in einem hippen Internetstartup vermitteln könnte, schließlich arbeite ich doch in dem Bereich.

Nein, den Koblenzer ficht Berlin nicht an. Für ihn ist Berlin zu groß (stimmt), zu unübersichtlich (kommt drauf an), zu dreckig (Ja!) und zu weit weg (sechs Stunden mit dem Zug). Und überhaupt: was soll er da? Es gibt keine nennenswerte Landschaft, die gegen Eifel-Hunsrück-Westerwald-Taunus-Rhein-Mosel ankommt,  keinen Karneval, der diesen Namen verdient, und zu viele Ausländer.

Und ich verstehe ihn ja auch ein bisschen, den Koblenzer: er sitzt hier wirklich in einer hübschen Ecke dieses Planeten. Zwar fehlt mir als Berlinerin hier die Vielfalt, die entsteht, wenn Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen zusammenkommen und zusammenleben, zwar staune ich manchmal über den doch sehr deutschen Sinn für Recht und Ordnung (Koblenz ist traditionell eine Beamten- und Soldatenstadt, und das merkt man auch), zwar ist mir ein Leben ohne Karneval   nicht nur vorstellbar sondern auch durchaus lebenswert, aber ich entdecke hier mehr und mehr eben auch Dinge, die mir in Berlin fehlen:
Die allgegenwärtigen Spuren einer sehr weit zurückreichenden Geschichte beispielsweise. Die verschiedenartigen Landschaften. Vernünftiger Wein zu einem angemessenen Preis, jederzeit und überall. Anständige Lebensmittel, vor allem gute Fleisch- und Wurstwaren und frisches Gemüse aus der Region. Gute und preiswerte Restaurants (Nein, das eine schließt das andere *nicht* zwangsläufig aus!).

Okay, Döner können sie hier nicht. Das Bier hingegen ist okay. Wein sowieso. Es gibt Arbeit (5% Arbeitslose im IHK-Bezirk Koblenz im Dezember 2013 gegen 11% in Berlin im gleichen Zeitraum), aber es wird eben auch erwartet, dass man arbeitet. Für Aussteiger und Lebenskünstler ist hier wenig Platz, obwohl es auch in Koblenz einen Kreuzberg gibt (in Ehrenbreitstein). Die Menschen sind generell nett und hilfsbereit, und der Humor ist vom Berliner Witz gar nicht sooo weit entfernt. Die Berliner Direktheit empfinden die meisten Menschen hier allerdings als zu offensiv.

Alles in allem kann man sich als Berliner(in) hier also durchaus wohlfühlen…